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BU mit Morbus Crohn: Normalannahme, Ausschluss oder Zuschlag?

Maximilian D. Arnschink · Aktualisiert am · 13 Minuten Lesezeit

Kurzantwort

Morbus Crohn schließt eine BU-Versicherung nicht aus, aber das Ergebnis lässt sich nicht vorhersagen: In meinen Prüfprotokollen steht bei dieser Diagnose Normalannahme neben Ausschlussklausel und Beitragszuschlag. Entscheidend sind der dokumentierte Verlauf, Operationen, Gewichtsentwicklung und Begleitentzündungen an anderen Organen. Wichtiger als die Beitragshöhe ist dabei der Wortlaut einer Ausschlussklausel, denn bei Morbus Crohn nimmt sie oft Gelenke und Wirbelsäule gleich mit heraus. Was bei dir realistisch ist, klärt vorab nur eine anonyme Risikovoranfrage.

Der Satz, den ich am häufigsten höre

“Die Psyche wird das Problem, oder?”

Mit dieser Sorge kam auch eine 30-jährige Online-Marketing-Managerin zu mir. In ihren Unterlagen standen ein Morbus Crohn, eine Agoraphobie und ein alter Schienbeinbruch. Überall hatte sie gelesen, dass Versicherer bei psychischen Diagnosen am härtesten sind.

Das erste Prüfprotokoll kam zurück und drehte ihre Erwartung um. Für die Angsterkrankung: Normalannahme. Für den Heuschnupfen ebenso. Für den Schienbeinbruch ein eng gefasster Ausschluss des Kniegelenks. Und für den Morbus Crohn, der ihr am wenigsten Sorge gemacht hatte, stand dort kein Votum, sondern eine Forderung: ärztlicher Bericht und ein eigener Fragebogen zu den Verdauungsorganen.

Fünf Wochen später, nach Einreichung der Unterlagen, kam die Entscheidung: ein Risikozuschlag von 75 Prozent auf den Beitrag, der Knie-Ausschluss blieb bestehen, und zusätzlich wurden ihr die Nachversicherungsgarantie und die Ausbaugarantie gestrichen.

Dabei war ihr Crohn seit Jahren bekannt und gut kontrolliert.

Dieser Fall ist kein Einzelstück, aber er ist auch nicht die Regel. In anderen Protokollen aus meinem Bestand steht bei derselben Diagnose Normalannahme, in einem weiteren eine Ausschlussklausel. Worauf diese Unterschiede zurückgehen und was du selbst daran beeinflussen kannst, darum geht es hier.

Warum chronisch für einen Versicherer lebenslang heißt

Ein Versicherer bewertet nicht, wie es dir heute geht. Er bewertet die nächsten dreißig oder vierzig Jahre.

Und hier trifft der Morbus Crohn einen wunden Punkt. Die Erkrankung beginnt typischerweise genau in dem Alter, in dem man eine BU abschließt: gehäuft zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Wer mit 30 einen Vertrag bis 67 beantragt, bittet den Versicherer also, eine chronische Erkrankung über 37 weitere Jahre mitzutragen.

Die letzte Zahl erklärt, warum das Thema überhaupt zur Arbeitskraftabsicherung gehört. Ein Viertel der Berentungen fällt in eine Lebensphase, in der die meisten Menschen gerade erst im Beruf angekommen sind.

Ein Hinweis zur Einordnung: Die Leitlinie der Rentenversicherung ist von 2011. Seither hat sich die Behandlung erheblich verändert, und moderne Therapien haben den Verlauf für viele Erkrankte deutlich verbessert. Aktuellere Zahlen speziell zur Erwerbsminderung bei Morbus Crohn habe ich gesucht und nicht gefunden. Die Größenordnung bleibt trotzdem aussagekräftig, weil sie zeigt, worauf die Risikoprüfung schaut.

Zuschlag oder Ausschluss: die Systematik dahinter

Viele erwarten eine Ausschlussklausel und bekommen stattdessen einen Zuschlag. Das wirkt willkürlich, folgt aber einer klaren Regel.

Der Morbus Crohn steht bei dieser Regel auf der schwierigen Seite. Er kann jeden Abschnitt des Verdauungstrakts befallen, vom Mund bis zum After, und dazu kommen die Beteiligungen außerhalb des Darms: Gelenke, Haut, Augen, Gallenwege, Knochendichte. Das spricht für den Zuschlag.

Man könnte daraus schließen, dass eine Ausschlussklausel bei Crohn praktisch ausscheidet, weil sich so etwas kaum sauber abgrenzen ließe. Dieser Schluss wäre falsch, und er ist der eigentliche Grund, warum dieser Artikel existiert. Versicherer formulieren solche Klauseln sehr wohl. Sie lösen das Abgrenzungsproblem nur anders als erwartet: nicht durch eine enge Klausel, sondern durch eine sehr weite.

Genau deshalb ist der Unterschied zwischen den beiden Wegen bei dieser Diagnose so wichtig. Ein Zuschlag kostet Geld und lässt deinen Schutz vollständig. Eine Ausschlussklausel kostet nichts und nimmt dafür einen Bereich heraus, der bei Morbus Crohn weiter reicht, als die meisten vermuten. Wer die Wahl hat, sollte den Zuschlag nehmen. Und wer eine Ausschlussklausel angeboten bekommt, sollte ihren Wortlaut lesen, bevor er unterschreibt: Zwischen „Morbus Crohn“ und der Formulierung oben liegen Welten.

Wo Morbus Crohn im Antrag steht

Im Gesundheitsfragebogen gibt es kein Stichwort Morbus Crohn. Er steckt in der Sammelrubrik zu den Verdauungsorganen, gefragt wird nach Beratungen, Behandlungen und Untersuchungen der letzten fünf Jahre, Kontrolluntersuchungen ausdrücklich eingeschlossen.

Wer dort ja ankreuzt, löst zwei Dinge aus: einen eigenen Fragebogen zu den Verdauungsorganen und die Anforderung eines ärztlichen Berichts. So lief es auch im Fall der Marketing-Managerin.

Und hier liegt die Falle, in die bei diesem Krankheitsbild die meisten laufen: Auf den Abfragezeitraum kannst du dich bei einem Crohn nicht verlassen. Sonst gilt die einfache Regel, dass nicht anzugeben ist, was außerhalb des Zeitraums liegt und folgenlos ausgeheilt ist. Eine Erkrankung, zu deren Krankheitsbild es gehört, dass sie in Schüben verläuft, ist aber nie folgenlos ausgeheilt. Sie ruht nur. Wer seinen letzten Schub vor sieben Jahren hatte und deshalb bei der Fünf-Jahres-Frage nein ankreuzt, macht eine Falschangabe, auch wenn er ehrlich gerechnet hat. Der Crohn ist damit nicht weg, sondern unauffällig. Das ist ein Unterschied, den der Versicherer im Leistungsfall genau kennt.

Diese vier Punkte sind der Grund, warum sich Vorbereitung lohnt. Alle vier lassen sich belegen, und jeder einzelne verschiebt das Ergebnis.

Was in meinen Protokollen tatsächlich steht

Weil über dieses Thema viel behauptet und wenig belegt wird, habe ich meinen eigenen Bestand ausgewertet: 139 auswertbare Prüfprotokolle aus den Jahren 2022 bis 2026. Fünf davon betreffen Morbus Crohn.

Zwei Dinge lassen sich daraus ehrlich ableiten, ein drittes ausdrücklich nicht.

Ableitbar ist erstens: Normalannahme trotz Morbus Crohn kommt vor. Wer dir sagt, mit dieser Diagnose sei nichts mehr zu holen, liegt falsch. Zweitens: Das Ergebnis hängt erkennbar nicht allein an der Diagnose. Dieselbe Person bekommt bei verschiedenen Anfragen verschiedene Voten.

Nicht ableitbar ist eine Quote. Wie oft Morbus Crohn im Markt zur Normalannahme führt, weiß niemand, ich auch nicht. Meine Protokolle zeigen nur die Häuser, die nach Vorprüfung ausgewählt wurden. Wer dir eine Prozentzahl für deine Diagnose nennt, hat sie sich ausgedacht.

Warum bewertet jeder Versicherer den Crohn anders?

Jetzt der Teil, der selten erklärt wird. Ein Risikoprüfer soll deinen Verlauf über Jahrzehnte einschätzen, und ausgerechnet bei dieser Erkrankung fehlt ihm dafür der verlässliche Anhaltspunkt.

Die Begutachtungsleitlinie der Rentenversicherung sagt das offen: Es fehle eine enge Korrelation zwischen messbarer entzündlicher Aktivität und den subjektiven Beeinträchtigungen. Selbst eine durch Endoskopie und Laborbefunde objektivierte mittlere Entzündungsaktivität könne gerade bei der Crohn-Krankheit mit nur geringen Beschwerden einhergehen. Umgekehrt gilt das genauso.

Für dich bedeutet das zweierlei. Erstens: Gute Werte allein überzeugen niemanden vollständig, weil der Prüfer weiß, wie wenig sie über die Zukunft sagen. Zweitens, und das ist die praktische Folge: Wo der Anhaltspunkt fehlt, entscheidet die Vorsicht des jeweiligen Hauses. Und die fällt unterschiedlich aus. Genau daraus entsteht die Spreizung zwischen den Versicherern, die dieses Thema so anfällig für Zufall macht, wenn man nur einen einzigen Antrag stellt.

Welche Rolle spielt dein Beruf?

Bei der BU geht es nie um die Diagnose allein, sondern immer um die Diagnose im Verhältnis zu deinem Beruf. Bei einem Crohn ist dieser Zusammenhang ungewöhnlich konkret.

Diese Liste stammt aus der gesetzlichen Begutachtung, nicht aus der privaten Risikoprüfung. Für dich ist sie trotzdem nützlich, denn sie zeigt, worauf es bei der Verbindung von Krankheitsbild und Tätigkeit ankommt. Wer am Schreibtisch arbeitet und sich seine Pausen frei einteilt, bringt eine deutlich bessere Ausgangslage mit als jemand in Schichtarbeit am Band. Das schlägt sich in der Bewertung nieder.

Was kostet ein Risikozuschlag?

Ein Risikozuschlag wegen Morbus Crohn wird in Prozent des Beitrags angegeben. 50 Prozent bedeuten den anderthalbfachen, 100 Prozent den doppelten Beitrag. Die 75 Prozent aus dem Fall oben heißen also: Aus 70 Euro im Monat werden 122,50 Euro. Über 35 Jahre Laufzeit summiert sich diese Differenz auf einen fünfstelligen Betrag.

Bevor du deshalb abwinkst, drei Einordnungen.

Erstens ist die Höhe kein Naturgesetz, sondern die Entscheidung eines einzelnen Hauses. Dieselben Unterlagen können anderswo zu einem niedrigeren Zuschlag führen. Deshalb fragt man mehrere gleichzeitig.

Zweitens lässt sich die Rentenhöhe anpassen. Wenn der Beitrag für die Wunschrente zu hoch ausfällt, ist eine niedrigere Rente zum bezahlbaren Beitrag immer noch erheblich besser als kein Vertrag.

Hier ist allerdings genau hinzusehen, und dieser Punkt wird oft übersehen. Der Zuschlag ist nur eines von mehreren Werkzeugen, mit denen ein Versicherer sein Risiko begrenzt. Er kann ebenso die Laufzeit verkürzen, die Dynamik streichen oder die Nachversicherungsgarantie herausnehmen. Wer eine niedrigere Rente wählt, um den Beitrag tragbar zu halten, und später über die Nachversicherungsgarantie erhöhen will, sollte deshalb prüfen lassen, ob diese Option im Votum überhaupt erhalten geblieben ist.

Genau das ist im Fall aus dem Einstieg passiert, und es steht dort in einem einzigen, leicht zu überlesenden Satz.

Steht die Garantie nicht mehr im Angebot, ist die niedrigere Rente keine Zwischenlösung mehr, sondern eine dauerhafte. Das gehört geprüft, bevor unterschrieben wird, nicht Jahre später beim Gehaltssprung.

Drittens die Einordnung im Markt: Über alle BU-Anträge hinweg endeten 2023 drei Prozent mit einem Prämienzuschlag und zehn Prozent mit einem Leistungsausschluss. Du landest mit einem Zuschlag also in einer Minderheit, aber in einer, deren Schutz vollständig bleibt.

Was bedeutet ein Grad der Behinderung bei Morbus Crohn?

Ein Punkt, den viele übersehen: Ein festgestellter GdB wird im Antrag gesondert abgefragt, zusätzlich zur Diagnose, und löst für sich genommen eine genauere Prüfung aus.

Verschweigen scheidet aus, ein festgestellter GdB ist aktenkundig. Er macht die Sache schwieriger, nicht aussichtslos. Er gehört aber in die Vorbereitung, nicht in die Überraschung.

Was du jetzt tun solltest

Sammle zuerst, was den Verlauf deines Morbus Crohn belegt. Bei kaum einem anderen Thema zahlt sich eine vollständige Mappe so unmittelbar aus, weil jeder der vier Prüfpunkte von oben an einem Dokument hängt.

Der letzte Punkt ist wichtiger, als er aussieht. Gelenkbeschwerden, Hautveränderungen oder Augenentzündungen werden von Betroffenen oft als getrennte Themen erlebt. In der Risikoprüfung gehören sie zum Bild.

Dazu gehört ein Blick in die eigene Akte. Wie das geht, steht im Artikel Krankenakte vor dem BU-Antrag.

Und ein Rat, der wenig kostet und viel bringt: Schreib deinen Verlauf zusätzlich in eigenen Worten auf. Der Risikoprüfer entscheidet nach Aktenlage über einen Menschen, den er nie gesehen hat. Zwei, drei ehrliche Absätze darüber, wie dein Alltag mit der Erkrankung tatsächlich aussieht, wie lange es ruhig ist und wie du im Beruf zurechtkommst, beantworten Rückfragen, bevor sie entstehen. Wichtig ist, dass diese Stellungnahme von dir kommt und in deiner Sprache geschrieben ist. Sie ersetzt den ärztlichen Bericht nicht, sie ergänzt ihn um das, was in keinem Befund steht.

Typische Fehler beim BU-Antrag mit Morbus Crohn

  • Warten, bis es besser wird. Ein Crohn verschwindet nicht, und jedes Jahr bringt neue Einträge in die Akte. Die Ausgangslage wird im Regelfall nicht besser, sondern schlechter.
  • Beschwerdefreiheit mit Unauffälligkeit verwechseln. Gefragt wird nach Behandlungen und Untersuchungen, nicht nach deinem Befinden. Kontrolltermine und Erhaltungstherapie gehören in den Antrag.
  • Nur einen Versicherer fragen. Bei einer Erkrankung, deren Verlauf sich schlecht vorhersagen lässt, entscheidet die Vorsicht des einzelnen Hauses. Die fällt unterschiedlich aus.
  • Den Zuschlag als Absage lesen. Er ist das Gegenteil davon. Er bedeutet, dass der Versicherer dich vollständig versichert.
  • Einfach einen Antrag stellen. Eine Ablehnung muss bei späteren Anträgen angegeben werden und verschlechtert die Lage bei allen weiteren Versuchen.

Der Weg über die Voranfrage

Bevor also irgendwo ein Antrag liegt: eine anonyme Risikovoranfrage. Dein Fall geht mit allen Befunden an mehrere Versicherer gleichzeitig, ohne deinen Namen. Zurück kommen konkrete Einschätzungen: ob ein Haus normal annimmt, wie hoch ein Zuschlag ausfiele und, falls eine Ausschlussklausel kommt, mit welchem Wortlaut. Gerade der letzte Punkt entscheidet bei Morbus Crohn mehr als der Beitrag. Erst wenn das feststeht, wird ein Antrag gestellt.

Wie unterschiedlich die Urteile ausfallen, zeigt der Fall der Online-Marketing-Managerin besonders deutlich: In einem einzigen Prüfprotokoll standen drei verschiedene Bewertungen nebeneinander. Zuschlag für den Darm, Ausschluss für das Knie, Normalannahme für die Psyche. Versicherer bewerten keine Menschen, sondern einzelne Risiken, und sie tun das erstaunlich differenziert.

Was daraus für dich folgt, ist unspektakulär und wirksam: erst die Unterlagen, dann die Anfrage, dann der Antrag.

Häufige Fragen

Bekomme ich mit Morbus Crohn überhaupt eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Ja, das ist möglich, und zwar durchaus auch ohne Erschwernis. In den Prüfprotokollen, die mir vorliegen, steht bei Morbus Crohn mehrfach eine Normalannahme, daneben aber auch eine Ausschlussklausel und ein Zuschlag. Das Ergebnis hängt am dokumentierten Verlauf und am Versicherer. Günstig wirkt sich aus, wenn die Diagnose nicht erst kürzlich gestellt wurde, keine Operation erfolgt oder geplant ist, kein ungewollter Gewichtsverlust vorliegt und keine Begleitentzündungen an anderen Organen aufgetreten sind. Eine allgemeine Quote dafür, wie oft Morbus Crohn zur Normalannahme führt, gibt es nicht. Deshalb steht vor dem Antrag die anonyme Risikovoranfrage.

Ist bei Morbus Crohn ein Zuschlag oder eine Ausschlussklausel besser?

Bei Morbus Crohn fast immer der Zuschlag. Er kostet Geld, lässt deinen Schutz aber vollständig. Eine Ausschlussklausel kostet nichts und nimmt dafür einen Bereich heraus, der bei dieser Diagnose weit reichen kann. Mir liegt eine Klausel vor, die neben dem Morbus Crohn jede entzündliche Darmerkrankung ausschließt, dazu die damit zusammenhängende Arthritis an Wirbelsäule und Gelenken sowie alle weiteren Manifestationen außerhalb des Darms. Solche Klauseln wirken außerdem oft auch dann, wenn du aus ganz anderen Gründen berufsunfähig wirst. Deshalb gilt: Wortlaut lesen, nicht nur die Überschrift.

Ich hatte seit Jahren keinen Crohn-Schub. Zählt das bei der BU nicht?

Doch, es hilft, aber es löst das Grundproblem nicht auf. Der Versicherer bewertet nicht deinen heutigen Zustand, sondern die nächsten dreißig oder vierzig Jahre. Chronisch heißt für ihn lebenslang. Dazu kommt ein fachlicher Punkt: Die Krankheitsaktivität im Darm und das, was du davon spürst, gehen oft auseinander. Eine lange Ruhephase ist deshalb ein gutes Argument, aber kein Beweis für einen ruhigen weiteren Verlauf. Genau deshalb entscheiden Häuser bei gleicher Ausgangslage unterschiedlich. Wichtig außerdem: Auch ein Schub, der länger zurückliegt als die im Antrag abgefragten Jahre, gehört angegeben. Eine Erkrankung, die in Schüben verläuft, gilt nicht als folgenlos ausgeheilt, und der Abfragezeitraum hilft dir bei diesem Krankheitsbild deshalb nicht weiter.

Muss ich meine Crohn-Medikamente im BU-Antrag angeben, auch wenn es mir gut geht?

Ja. Gefragt wird nach Behandlungen, Untersuchungen und Medikamenten, nicht nach deinem Befinden. Eine Erhaltungstherapie ist eine laufende Behandlung, auch wenn du beschwerdefrei bist. Alles davon ist verschreibungspflichtig und damit dokumentiert. Dazu kommen die Kontrolltermine und Darmspiegelungen, die zur Erkrankung gehören. Nach § 19 VVG ist wahrheitsgemäß anzugeben, wonach in Textform gefragt wird, und mit deiner Einwilligung darf der Versicherer nach § 213 VVG bei behandelnden Ärztinnen und Ärzten nachfragen.

Spielt mein Beruf bei der BU-Bewertung von Morbus Crohn eine Rolle?

Ja, und zwar stärker als bei vielen anderen Diagnosen. Eine Bürotätigkeit mit frei einteilbaren Pausen ist mit einem Crohn gut vereinbar. Schwieriger wird es bei taktgebundener Arbeit, Akkord, durchgehender Präsenzpflicht oder Tätigkeiten in Schutzkleidung, die sich nicht schnell ablegen lässt. Die Deutsche Rentenversicherung nennt genau diese Tätigkeiten in ihrer Begutachtungsleitlinie als häufig nicht zumutbar, wenn imperativer Stuhldrang besteht. Wer körperlich arbeitet, sollte die Voranfrage deshalb besonders sorgfältig vorbereiten.

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